Warum muss ich ständig weinen?

Text von Jana Breitmar

Ich habe mich als Jugendliche immer gefragt, warum ich so nah am Wasser gebaut bin. Habe "grundlos weinen" gegoogelt und wollte rausfinden, wie ich diesen "Fehler" in meinem System beheben kann. Niemand, weder online noch in meinem Umfeld, konnte mir diese Frage beantworten. Inzwischen kenne ich die Antwort.

Meine Erkenntnisse:

1. Es gibt kein "grundloses" Weinen: Jedes Weinen hat einen (berechtigten!) Grund. Manchmal liegt dieser Grund jedoch in einem Ereignis aus der Vergangenheit, das in der aktuellen Situation hochgekommen ist und ergibt deswegen mit starrem Blick auf die gegenwärtige Situation nicht immer Sinn.

2. Weinen ist etwas Gutes: Weinen ist nicht der Feind, sondern unterstützt bei der Emotionsregulation und hilft dabei, unangenehme Erfahrungen zu verarbeiten. Weinen beruhigt. Extrem häufiges Weinen kann ein Hinweis dafür sein, dass noch unverarbeitetes Trauma vorliegt. Auf dieser Ebene kann häufiges Weinen durch Traumaarbeit reduziert werden.

3. Weinen muss nicht weg: Die Überzeugung, dass Weinen ein Problem ist, das "behoben" werden muss, beruht auf einer vom Umfeld gelernten Wertung, dass bestimmte Gefühle nicht da sein dürfen. Weinen ist nichts Schlimmes - also zumindest nicht in einem liebevollen Umfeld, das Verständnis und Trost bietet. Im Gegenteil, in einem liebevollen Umfeld ist Weinen sogar eine Einladung an das Umfeld, sich liebevoll zuzuwenden und hinzuhören, was los ist. Was wiederum dabei hilft, alte Erfahrungen heilsam zu verarbeiten.

4. Verwirrung ist eine Schutzreaktion: Wenn du nicht weißt, warum du weinen musst, kann es sein, dass du unterbewusst genau spüren kannst, dass dein Umfeld gerade kein sicherer Ort für die Aufarbeitung deiner Gefühle ist. Dann kannst du das einfach so annehmen und nach einer Person Ausschau halten, die liebevoll mit deinem Gefühl umgehen kann. In einem verständnisvollen Umfeld wird meist sehr schnell klar, worum es eigentlich geht und was der Grund für das Weinen ist.

Fazit: Im richtigen Umfeld ist Weinen eigentlich gar kein Problem, sondern eine Lösung für unverarbeitete Emotionen.

Reflexion: Bei wem kannst du dich sicher fühlen zu weinen?

In Liebe, Jana