Wie kann ich mit Liebeskummer umgehen?

Text von Jana Breitmar

Trennungen haben sich für mich häufig so angefühlt, als würde meine gesamte Welt in Schutt und Asche gelegt. Das lag daran, dass ich aus meinen Beziehungen meine Sicherheit in der Welt bezogen habe. Aber es gibt einen Weg, diese Sicherheit auch ohne Beziehung wieder zurückzubekommen. Hier sind meine Erkenntnisse aus meinen Verarbeitungsprozessen.

Ich würde Liebeskummer auf vier Ebenen betrachten:

1. Gesunde Trauer: Die Trauer weist darauf hin, dass du etwas verloren hast, das du liebst. Da es an die Liebe gekoppelt ist, kann es eigentlich ein schönes Gefühl sein. Du kannst gesund trauern, indem du dir erlaubst, die schönen Gefühle zu fühlen, um die du trauerst. Dadurch kannst du das, was du im physischen Leben verloren hast, in deinen Gefühlen aufrechterhalten (in meinem Fall war es das Gefühl, in der Welt sicher zu sein). Das bewusste Wahrnehmen von dem Schönen führt zu mehr innerer Klarheit: Worum trauerst du wirklich? Welches Gefühl ist es, das du so liebst und brauchst und in deinem Leben haben möchtest? Sobald du entscheidest, dieses Gefühl zu fühlen, ist es wieder da. Du hattest den Zugriff auf dieses Gefühl verloren, weil du es unbewusst an eine Person gekoppelt hast, aber du kannst die Verbindung zu diesem Gefühl jederzeit eigenständig wiederherstellen.

2. Gesunde Wut: Trauer und Wut können und dürfen gleichzeitig existieren. Du darfst wütend auf die Person sein oder darauf, dass sie dich verlassen hat - und du darfst trotzdem die positiven Erinnerungen lieben, die du mit dieser Person hattest. Aber du darfst dir eben auch erlauben, Schmerz, Wut und Hass zu fühlen, den du mit der Person verbindest. Je facettenreicher du deine Gefühle zu der Person wahrnehmen kannst, desto besser können sie verarbeitet werden. Je stärker du in Schwarzweiß-Denken rutscht und die Person idealisierst oder ablehnst, umso stärker können sich die Gefühle unverarbeitet festsetzen.

3. Bindungsverlust: Fühlt sich der Verlust über alle Maßen unangenehm an, könnte es sein, dass der Verlust frühere Bindungsschmerzen berührt. Dann kannst du da ansetzen, dich zu fragen, welcher Bindungsverlust zu welcher engen Bezugsperson von dir hier eigentlich wirklich schmerzt und dann mit genau dieser Bindung Schritt 1 nochmal versuchen: Was an deiner Grundbindung vermisst du wirklich? Dann kannst du dich auf genau dieses schöne Gefühl fokussieren, das du eigentlich liebst und/oder auf die Wut zu dieser frühen Bezugsperson.

4. Konsequenzen der Trennung: Ein anderer Grund, warum sich Trennungen über alle Maßen unangenehm anfühlen können, sind unangenehme Konsequenzen, die mit der Trennung einhergehen. Das kann zum Beispiel Einsamkeit sein oder die Angst davor, aus dem bisher gemeinsam geführten Freundeskreis ausgestoßen zu werden. Auch hier kannst du den "Trick" anwenden, dich auf das zu besinnen, was du liebst. Du musst diese Gefühle nicht verlieren, nur weil du in der physischen Realität etwas verlierst, das du mit diesen Gefühlen verbindest. Du kannst dir erlauben, diese Gefühle weiterhin in dir zu spüren.

Fazit: Das Ziel beim Trauern ist quasi, die verlorene Verbindung wiederherzustellen zu dem, was du liebst. Es geht darum, die positiven Erinnerungen wieder zu erlauben, auch wenn die Person vielleicht nicht mehr in deinem Leben sein wird oder du etwas Negatives mit der Person erlebt hast. Das positive Gefühl, nach dem du dich sehnst, kannst du trotzdem wieder in dein Leben einladen.

Reflexion: Was ist es wirklich, das du liebst?

In Liebe, Jana